Unterricht im bilingualen Bereich

 

Bilingualer Unterricht wird an der Realschule Verl in jeweils einer Klasse (d-Klasse) eines Jahrgangs erteilt. Bilingual bedeutet hier, die Arbeitssprache Englisch wesentlich intensiver als in den parallelen Regelklassen einsetzen zu können. Die dadurch erreichte Qualifikation wird mit einem Zeugnisvermerk dokumentiert.

Übergeordnete Ziele des bilingualen Unterrichts

"Das übergeordnete Lernziel des bilingualen Unterrichts ist die Vermittlung einer ‚annähernden Zweisprachigkeit'. Das bedeutet, dass Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt werden, in der Zielsprache Englisch auch über Inhalte und Sachverhalte zu sprechen und zu kommunizieren, die im ‚üblichen' Englischunterricht kaum behandelt werden oder ganz ausgeblendet bleiben. Das bedeutet aber nicht, dass die - in aller Regel deutsche - Muttersprache konsequent aus dem Sachfachunterricht verbannt wird. Sie wird in bestimmten Phasen mit unterschiedlichen Zielen und Funktionen neben oder statt der Zielsprache verwendet." [1]

Teilziele

Über diese grundsätzliche Zielsetzung hinaus lassen sich folgende Teilziele für den englischsprachigen Sachfachunterricht festhalten:

· fremdsprachliche Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit
· Bewältigung von Alltags- und Berufssituationen
· Erweiterung des Wortschatzes
· mitteilungsbezogene Kommunikationsfähigkeit, also die inhalts-, themen- und

problemorientierte Anwendung der Fremdsprache im Sachfachunterricht
· Einsicht in interkulturelle Zusammenhänge
· stärkere Ausrichtung des Englischunterrichts auf praktische Verwertbarkeit im Beruf und in der

persönlichen Lebensgestaltung
· Förderung von Teamfähigkeit und Selbstständigkeit
· Förderung von Spontaneität und Kreativität

Struktur und Inhalte des bilingualen Unterrichts an unserer Schule

Während der ersten beiden Fremdsprachenjahre wird mit 7 statt 5 Englischstunden pro Woche ein breites Fundament an kommunikativer Kompetenz zielgerichtet auf den folgenden Sachfachunterricht gelegt. Neben dem Fach Englisch wird in der Folge auch ein englischsprachiger Unterricht in den Fächern Geschichte (ab Klasse 7), Erdkunde (ab Klasse 8) und Politik (ab Klasse 9) erteilt. Die Möglichkeit, andere Fächer in der Arbeitssprache Englisch zu unterrichten, ist damit nicht ausgeschlossen, sie hängt letztlich aber vom personellen Angebot unserer Schule ab. Unterrichtseinheiten in anderen Fachbereichen, vor allem bei fächerübergreifenden Projekten, können ebenfalls in der Arbeitssprache Englisch erteilt werden.

[1] Glaap, Bilingualer Unterricht an Realschulen in NRW
- Ausgewählte Kapitel aus dem Zwischenbericht, Düsseldorf, 1997

Stundenverteilung

 

Unterrichtsstunden in (der Arbeitssprache) Englisch
- Grundschema: Abweichungen abhängig von zur Verfügung stehenden Lehrerstunden -

 

Politik         2 Stunden 2 Stunden
          XXX XXX
          XXX XXX
Erdkunde       3 Stunden    
        XXX 2 Stunden  
        XXX XXX  
        XXX XXX  
Geschichte     3 Stunden      
      XXX 2 Stunden 2 Stunden  
      XXX XXX XXX  
      XXX XXX XXX  
Englisch 7 Stunden 7 Stunden        
  XXX XXX        
  XXX XXX        
  XXX XXX 4 Stunden 4 Stunden 4 Stunden 4 Stunden
  XXX XXX XXX XXX XXX XXX
  XXX XXX XXX XXX XXX XXX
  XXX XXX XXX XXX XXX XXX
  XXX XXX XXX XXX XXX XXX
  Klasse 5 Klasse 6 Klasse 7 Klasse 8 Klasse 9 Klasse 10

 

Didaktische Schwerpunkte des Englischanfangsunterrichts

 

Bildeinsatz

· Auswahl detaillierter Bilder (Landschaften, Stadtansichten)
· systematische Beschreibung mit entsprechender Phraseologie
· systematische (gelenkte) Informationsaufnahme

Texteinsatz (extensives Leseverstehen)

· Auswahl beschreibender Texte, weniger handlungsbezogener Texte
· inhaltlich-analytisches Strukturverständnis (Paragraph-/Satzebene)
· grammatikalisches Strukturverständnis (Verstehen von Passivformen)
· detailliertes Lesen
· Wortverständnis, z.B. Ausweitung sachfachrelevanter Wortfelder
(hier: Vorarbeit für Sachfachunterricht)

authentisch gesprochenes Englisch (Hörverstehen)

 

Methodische Schwerpunkte des Englischanfangsunterrichts

 

Kommunikative Aktivitäten

· Personalisierung (point of view technique)
· Erstellen von Dialogen
· Rollenspiele (Interaktion)
· Gesellschafts- und Kartenspiele
· Penfriendships und e-mail-Kontakte
· Präsentation von Arbeitsergebnissen vor der Klasse

Handlungsorientierte Aktivitäten

· Begehung und Beschreibung des schulischen Umfeldes: Erstellen von Skizzen
· Anfänge projektorientierten Arbeitens
· Visualisierung von Arbeitsergebnissen/Hör- und Lesebeispielen

Wahl der bilingualen Klasse

 

Grundsätzlich steht jedem Schüler, jeder Schülerin der Zugang zum bilingualen Zweig unserer Schule offen. Diese Wahl bedingt aber in den folgenden Jahren einen erhöhten Einsatz nicht nur im rein sprachlichen Bereich. Daher ist eine umfassende Information und Beratung vor der Entscheidung für die bilinguale Klasse unerlässlich. Eine einmal getroffene Wahl gilt für die gesamte Schulzeit. Durch die Einführung des Faches Englisch in den Grundschulen wird in Zukunft sicher eine noch gezieltere Entscheidung für die bilinguale Klasse möglich werden.

 

Beratung

Die Beratung über die besonderen Anforderungen des bilingualen Zweiges beginnt bereits während der Grundschulzeit. Wir sind bemüht, durch einen engen Kontakt mit den Kollegien jener Grundschulen, die ihre Kinder an uns weitergeben, die Eltern zu informieren. Die Grundschullehrerinnen und -lehrer erfahren z.B. auch über ihre Teilnahme an Erprobungsstufenkonferenzen, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten jene Kinder mitbringen sollten, die sich für die bilinguale Klasse bewerben.

Die interessierten Eltern und ihre Kinder erfahren sodann am "Tag der offenen Tür" unserer Schule, welche Besonderheiten den bilingualen Zweig charakterisieren. Ihnen stehen an jenem Tag unsere Fachkolleginnen und -kollegen zu ausführlichen Informationsgesprächen zur Verfügung.

Eine weitere Beratung durch die Schulleitung erfolgt zu den Anmeldeterminen für das neue Schuljahr zu Beginn eines jeden Kalenderjahres.

Wir bieten allen Interessierten zudem in schriftlicher Form Informationen über den bilingualen Zweig an.

 

Anforderungen

 

Neben den allgemein erwarteten Voraussetzungen für den Übergang einer Schülerin/eines Schülers zur Realschule sollten Bewerber für den bilingualen Zweig erfahrungsgemäß zumindest befriedigende Leistungen in den Sprachleistungsnoten aufweisen können. Die Leistungsnoten allein können jedoch keine Garantie geben für eine erfolgreiche Mitarbeit in dieser Klasse, vielmehr zählen noch einige andere wichtige Faktoren dazu:

· Interesse am Umgang mit Sprache und Sprachen
· Ausdrucksfähigkeit
· differenziertes Hörvermögen
· Sprachbefähigung und Sprachbegabung
· Selbstständigkeit und Ausdauer beim Arbeiten
· angemessenes Arbeitstempo
· Bereitschaft zu größeren Lernanstrengungen
· Konzentrations- und Merkfähigkeit
· gesunde Neugier

 

Welche Vorteile können erwartet werden?

Eine nach Beendigung des Schulversuches BIRS durchgeführte Evaluation bestätigt Schülerinnen und Schülern des bilingualen Zweiges, dass sie folgende Vorteile für ihre eigene Qualifikation erwarten können:

· besondere handlungs- und anwendungsorientierte Sprachvermittlung
· Verstärkung der Bereiche Wortschatz, Redemittel, Strukturverfügbarkeit
· Fachsprachenkenntnisse in Geographie, Geschichte, Wirtschaft und Politik
· bessere Leistungen beim Hör- bzw. Leseverstehen
· allgemeine größere Kommunikationsbereitschaft und -fähigkeit (Teamfähigkeit)

Die Teilnahme am bilingualen Zweig wird ihnen im Abschlusszeugnis bestätigt, damit erhalten abnehmende Unternehmen und Weiterbildungseinrichtungen eine erste Information über die besondere Ausbildung dieser Schüler und Schülerinnen.

So ausgebildete Schulabgänger bieten sich geradezu an für Ausbildungs- und Aufgabenbereiche, die besonders auf den Kontakt mit dem fremdsprachlichen Kunden ausgerichtet sind, sei es im Bereich der Serviceleistungen, der internationalen Logistik, der Produktpräsentation oder anderer Sparten.

Wir sind bemüht, diese Informationen in Kontakten mit Industrie, Handwerk, Handel und anderen außerschulischen Organisationen weiterzuleiten, um so die Berufschancen der Entlassschüler und -schülerinnen zu erhöhen. (Informationsflyer ist erstellt.)

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